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Grafik: pure rendering GmbH
02.01.2010

Neuer Großflughafen BBI

 
Auf dem 220 Meter langen Terminal sitzt ein 10 000 Tonnen schweres Dach – nun geht der Innenausbau voran
 
Von Katrin Schoelkopf

In einer Nacht zum 30. Oktober 2011 sollen die beiden Flughäfen Tegel und Schönefeld an den neuen Standort des Single-Airports "Flughafen Berlin Brandenburg, Willy Brandt" verlegt werden. Beim Umzug, der in wenigen Stunden über die Bühne gehen soll, helfen den Berlinern Experten vom Flughafen München.

Es war in der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1992. Die Aktion war bis dahin einmalig. Das hatte bislang noch niemand gemacht. Doch alles klappte reibungslos. Innerhalb dieser einen Nacht von Sonnabend auf Sonntag zog der Münchner Flughafen von München-Riem an seinen neuen Standort im Erdinger Moos. Ein ganzer Flughafen war in Kisten, auf Hunderten von Tiefladern und Lastwagen verpackt worden und zum 30 Kilometer entfernten neuen Franz-Josef-Strauß-Airport verbracht worden.

Von München will nun auch Berlin lernen. Kurz vor Weihnachten erhielten die Umzugsexperten der Münchner Flughafengesellschaft den Zuschlag für die Organisation des Umzugs der beiden bestehenden Flughäfen Tegel und Schönefeld an den dann neuen Standort des Single-Airports "Flughafen Berlin Brandenburg, Willy Brandt" in Schönefeld. In 20 Monaten, in der Nacht vom 29. auf den 30. Oktober 2011, dem Eröffnungstermin des neuen Hauptstadtflughafens, soll der Umzug über die Bühne gehen. Doch zunächst zurück nach München ins Jahr 1992. Die Welt am Sonntag titelte damals "München II – der größte Umzug seit der Völkerwanderung". Der Bild-Zeitung war der Umzug der Aufmacher auf der Seite 1 wert. "Weltklasse" bescheinigte sie der Münchner Flughafengesellschaft für die logistische Umzugsleistung.

"Für den Umzug waren letztlich nur knapp acht Stunden Zeit verblieben – vom letzten Start am alten bis zum ersten Start auf dem neuen Flughafen", erinnert sich der Münchner Flughafensprecher, Robert Wilhelm. "Das, was wir damals gemacht haben, hatte zuvor noch niemand auf die Beine gestellt. Allein der Ablaufplan für den Umzug war eine Riesen-Herausforderung." Drei Jahre vor Umzugstermin hatten die Münchner mit der Planung begonnen. Den Herkulesumzug haben sie längst hinter sich und so gut gemeistert, dass sie ihr Know-how seitdem in alle Welt verkaufen. 2006 schulterten die Experten der Münchner Flughafengesellschaft den Umzug vom alten Bangkoker Flughafen "Don Muang" zum neuen International Airport "Suvarnabhumi". Madrid, Brüssel, Athen, Kuala Lumpur, Hyderabad – überall gaben die Münchner Schützenhilfe. Kurz vor Weihnachten erhielten sie nun auch den Zuschlag aus Berlin. Denn Berlin steht der große Umzug noch bevor. Wenn er in der Nacht vom 29. auf den 30. Oktober 2011 über die Bühne geht, wird er weltweit seinesgleichen suchen. Schließlich muss in Berlin nicht nur ein Flughafen geschlossen werden, sondern ziehen zwei intakte Flughäfen an einen neuen Standort.

TEGEL ROLLT ÜBER DIE AUTOBAHN

Das Umzugsszenario hatte die Berliner Flughafenpolitik bereits vor mehr als 13 Jahren vorgegeben, als sie im Konsensbeschluss festlegte, aus drei Flughäfen einen zu machen. Tempelhof ist bereits im Herbst 2008 vom Netz genommen worden. Der Beschluss ließe es zu, Tegel noch sechs Monate nach der Inbetriebnahme des BBI offen zu halten. Doch aus Kostengründen entschied sich die Flughafengesellschaft für den Umzug in einer Nacht. Die Herausforderung ist bei dieser Lösung besonders groß. Denn der Flugbetrieb der Hauptstadt muss nahtlos garantiert werden. Für den eigentlichen Umzug bleibt nur die Zeit zwischen dem letzten Flug in Tegel und Schönefeld sowie dem ersten am dann neuen Willy-Brandt-Flughafen. Das sind nur sieben Stunden.

7500 Beschäftigte sind vom Umzug betroffen, 57 Fluggesellschaften müssen ihre Büros und Flugzeuge an den BBI verlegen. Mit zwei kleinen Städten, die umziehen müssen, vergleicht Flughafenchef Rainer Schwarz den Flughafenumzug. Das erfordert eine minutiöse Planung.

Doch bevor der Tross von Schwerlastern und Tiefladern sich von Tegel über die Stadtautobahn in Richtung Schönefeld auf den 32 Kilometer langen Weg machen kann, muss klar sein, dass der BBI funktioniert. Denn ein Desaster wie im März 2008 in London, als bei Eröffnung des neuen Terminals in Heathrow die Inbetriebnahme der Gepäckförderanlage im Chaos endete, will sich in Berlin niemand vorstellen.

TAUSENDE KOMPARSEN WIRKEN MIT

Allein die Probeläufe werden 50 Tage dauern und ein Großaufgebot von 6000 bis 8000 Komparsen benötigen. Flughafenchef Rainer Schwarz machte bereits Witze und kündigte den Hochschulen während der Probeläufe leere Hörsäle an. Im Mai 2011 – fünf Monate vor Start des neuen Hauptstadtflughafens – sollen die Tests beginnen.

An den Drehbüchern wird längst geschrieben. Ein "Drehbuchautor" ist Roland Böhm. Er ist bei der Berliner Flughafengesellschaft gemeinsam mit Daniel Forsmann verantwortlich für Probeläufe, Betriebsbereitschaft und Umzug oder für den "Operational Readiness and Airport Transfer" – kurz "Orat", wie es im Flughafenjargon heißt. Zur Seite stehen beiden heute schon 40 Mitarbeiter. Böhm wäre es am liebsten, wenn die Komparsen die Passagierstruktur eins zu eins abbilden würden.

"Da müssten Lufthansa-Vielflieger mit goldener Senatorkarte, Gelegenheitsflieger oder Familien, die zum ersten Mal fliegen, dabei sein." Anfang 2011 will die Flughafengesellschaft im Internet zur Teilnahme aufrufen. Getestet und optimiert werden alle Abläufe – vom Check-In über die Flugzeugabfertigung, die Evakuierung des Terminals, die Gepäckbeförderung bis hin zum Lotsen der Maschinen zur Startbahn. Was der Umzug kosten wird, kann Böhm noch nicht sagen. "Eine konkrete Zahl gibt es noch nicht." Auch in München will man keine Zahlen nennen. Die Münchner Experten werden Mitte Januar ihre Arbeit aufnehmen.

Unter ihnen ist auch Thomas Weyer, der als ehemaliger Geschäftsführer der Berliner Flughafengesellschaft das BBI-Projekt genau kennt. 2008 war er als Geschäftsführer an den Münchner Flughafen gewechselt. "Wir wollen unser international anerkanntes Know-how im Bereich Consulting für Flughäfen weiterentwickeln", sagte Weyer angesichts des Zuschlags aus Berlin. "Ich kann mir durchaus vorstellen, dass die Flughafen München GmbH zu einem späteren Zeitpunkt auch Management-Verantwortung an anderen Flughäfen übernehmen könnte."

Quelle: www.morgenpost.de

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