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Ein Kraftraum entsteht: Mit dem BBI wächst auch der Bedarf an neuem Wohnraum in der Nachbarschaft.
04.12.2010

Anflug auf die neue Heimat

 
Die Fertigstellung des BBI ist in Sichtweite - nur an die Unterbringung des neuen Flughafenpersonals hat bislang kaum jemand gedacht. Das soll sich nun ändern.

Bernd Lothringer
In der DDR sah man die Dinge pragmatisch. Als es 1970 um die Unterbringung der 8000 Mitarbeiter der staatlichen Gesellschaft für internationalen Flugverkehr ging, schuf man einfach eine Plattenbausiedlung nahe des S-Bahnhofs Grünbergallee. "Hier war das Flugpersonal ohne Rangunterschied untergebracht und wuchs schnell zusammen", erinnert sich Hajo Henning vom Luftfahrtclub Otto Lilienthal und ehemaliger Vorsitzender der Luftfahrtbehörde. Heute liegt die Wohnraumfrage außerhalb der Zuständigkeiten der Regierung oder des Flughafens, einen Masterplan wie damals gibt es nicht. Rund 20000 Beschäftigte sollen ab 2012 am BBI arbeiten, gut 6000 davon kommen als neues Personal aus Tegel, Brandenburg und dem Rest der Republik.

Pilotenunterkünfte im Musikerviertel

"Die Sogwirkung, die den Büro- und Gewerbesektor bereits erfasst hat, wird bald auch den Wohnungsmarkt reagieren lassen", sagt der BBI-Sprecher Leif Erichsen. "Denn in ganz Deutschland hat sich gezeigt, dass sich Flughafen- und Airline-Mitarbeiter vor allem in direkter Umgebung des Flughafens ansiedeln." Serviceunternehmen wie die BBI Wohnraumlotsen, die sich gezielt um Zuzügler nach Brandenburg kümmern, sehen indessen gerade hierin ein gewaltiges Problem für die Region. "Im gesamten näheren Umfeld des Flughafens liegt die Leerstandquote bei Mietwohnungen momentan gerade einmal bei einem Prozent", sagt Mitbegründer Oliver Kienapfel.

Der Wohnraummangel beträfe nicht nur das Personal der Fluggesellschaften, sondern bis zu 40000 Menschen, die langfristig im Zuge der BBI-Eröffnung in die Region strömen würden. "Es gibt noch kein Konzept, wie mit diesen Menschenmengen umgegangen werden soll." Zwar seien Baugrundstücke im Überfluss vorhanden, doch die Verschiebung der BBI-Eröffnung und die Diskussion um die Flugrouten habe eine große Unsicherheit provoziert. Viele fürchteten, dass später die Flugzeuge über ihre Objekte rauschten.

"Die Einwände sind berechtigt, aber die Zeit rinnt uns durch die Finger, große Wohnanlagen bauen sich nicht in ein paar Wochen." Kienapfel wolle sich daher mit allen Beteiligten an einen Tisch setzen. "Wenn die zuziehenden Firmen den Investoren und Liegenschaftsinhabern glaubhaft vermitteln, dass es durch den Zuzug ihrer Mitarbeiter eine hohe Mieterquote geben wird, werden diese nicht zögern, Geld in die Hand zu nehmen." Schaffe die Politik zugleich eine gute Infrastruktur, hätten am Ende alle gewonnen. Im Musikerviertel in Mahlow sei der Schulterschluss bereits geglückt, hier seien die Voraussetzungen für modernen Wohnungsbau gegeben. "Ein Flugkapitän mit hohem Einkommen findet hier schnell ein attraktives Einfamilienhaus", sagt Oliver Kienapfel. "Doch für eine Stewardess, die sich eine bezahlbare Mietwohnung mit Reinigung, Solarium, Sportstudio und Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe wünscht, wird es in der Region eng".

Günstiger Wohnraum in Gropiusstadt

In Berlin treten Wohnungsgesellschaften bereits gezielt an das künftige Flugpersonal heran. "Wir waren mit der Aktion "Berlin hebt ab" in den Kantinen in Tegel und Schönefeld und haben unser Wohnungsangebot dort vorgestellt", sagt Lutz Ackermann vom Wohnungsunternehmen DeGeWo. Im Fokus ständen die BBI-nahen Bezirke Tempelhof-Schöneberg, Neukölln und Treptow-Köpenick. "Theoretisch könnten wir das gesamte neue BBI-Personal hier unterbringen." Die unterschiedlichen Ansprüche des Flughafenpersonals seien allerdings zu berücksichtigen. So habe man in der gerade sanierten Gropiusstadt vor allem günstige Mietwohnungen mit einer Netto-Kaltmiete von 4,50 Euro pro Quadratmeter im Angebot, während neue Reihenhaussiedlungen im Hessenwinkel am Dämeritzsee und in Alt-Glienicke auch Raum für Besserverdienende böten. Dazu lockten Mietvergünstigungen und sanft verzinste Ratenangebote. "Die Menschen scheuen natürlich den Umzug, aber inzwischen zieht die Nachfrage an. Die wenigsten wollen dauerhaft eine lange Anfahrt zur Arbeit auf sich nehmen", sagt Ackermann.

Auch in der weiteren Peripherie des BBI hat man den Bedarf erkannt. In Luckau im Landkreis Dahme/Spreewald will Bürgermeister Gerald Lehmann mit einer "Pilotensiedlung" gezielt Flugpersonal anlocken. Zwar läge die 10000 Einwohner starke Stadt gut 75 Kilometer vom BBI entfernt, doch böten die A13, die B87 und B96 beste Verkehrsanbindungen nach Berlin, Leipzig und Dresden. In den nächsten Wochen will Lehmann seine Idee bei Projektentwicklern vorstellen. "Man muss etwas Fantasie mitbringen und mutig sein, aber ich bin optimistisch." Lehmann schwebt eine Siedlung mit Eigentumshäusern zu günstigen Preisen vor. "Bisher haben wir hier in Luckau einen reinen Mietermarkt, da ist noch viel Platz für neue Konzepte."

Und so langsam beginnt der Countdown für die Zuzügler: Spätestens, wenn der Flughafen in etwa eineinhalb Jahren eröffnet, dürften die Preise im Süden Berlins noch einmal deutlich anziehen.

Quelle: Berliner Zeitung / Berliner Kurier
Foto: Günter Wicker / Berliner Flughäfen

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